Die Riedesel - Familien in Wittgenstein
Autor: Dr. Paul Riedesel, 2937 38th Avenue South, Minneapolis, Minnesota 55406, USA
Übersetzung: Udo Riedesel, Netphen, Deutschland
Anmerkung: Dieses Dokument wurde ursprünglich mit Fotos und anderen Bildern in Buchform veröffentlicht. Die hier vorliegende Version ist nur ein verkürzter Text in einer Form, die einfach über Internet verbreitet werden kann. Bedauerlicherweise ist das Originalkonzept so nicht erhältlich. Die Broschüre kann beim Autor gegen Kostenerstattung bezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Herkunft
Es bestehen kaum Zweifel, daß die meisten Riedesel in Deutschland und Amerika sich zurückführen lassen auf eine Familie des unteren Adelsstandes, deren Residenz in der Nähe der Stadt Lauterbach liegt. Das tatsächliche Alter des Namens ist nicht bekannt. Sie nahmen durch Heirat im Jahre 1436 Besitz von Eisenbach und den angrenzenden Territorien. Die Riedesels von Lauterbach erhielten den Titel Baron (Freiherr) im Jahre 1680 vom Deutschen Kaiser.
Es ist wichtig zu verstehen, welche Rechte die Freiherren Riedesel hatten und welche sie nicht hatten. Ihr Territorium war eigentlich nicht unabhängig. Das heißt, sie hatten kein Münzrecht, durften keine Gesetze erlassen oder eigene militärische Truppen aufstellen. Sie waren Vasallen von höhergestellten Autoritäten. Bis zum späten Mittelalter war dies der Landgraf von Hessen. Die Kleinbauern, die in diesem kleinen Reich lebten, schuldeten dem Baron fast alles, was er verlangte.
Der Familienname: Eine Legende hat sich durch die Jahrhunderte bis in unsere Zeit erhalten, die den seltsamen Namen erklärt, den wir tragen. Nach Dr. Schöner (1914) kann man sie wie folgt nacherzählen:
Ein Kaiser verirrte sich eines Tages auf der Jagd im Walde und kam in große Not und Gefahr seines Lebens, als ihn ein Ritter sah und den Erkannten auf den rechten Weg und zu seinem Gefolge brachte. Zum Dank dafür schenkte ihm der Kaiser so viel Land, wie der Vasall in drei Tagen auf einem Esel umreiten könnte. Letzterer saß sofort auf, und des Landes war keine geringe Strecke, das er zum Eigentum erwarb. Von diesem Ritt auf dem Esel an nannte ihn das Haupt des Reiches Rittesel, das später zu Riedesel sich umformte, und gab ihm des Tieres Kopf in sein Wappenschild.
Die Riedesels von Lauterbach benutzen weiterhin eine Variante dieses alten Wappens mit einem Esel in der Hauptrolle, der eine Distel im Maul trägt. Wie die englische hat sich auch die deutsche Sprache im Verlaufe der Zeit verändert. Jedoch reflektiert die Bedeutung unseres Namens unzweifelhaft die Legende des "Esel-Reitens". Es gibt reichliche Varianten der Schreibweise, aber die Kernbedeutung ist eindeutig.
Von Lauterbach nach Wittgenstein. Das Problem von erblicher Aristokratie und Erstgeburtsrecht ist, daß es jüngere Söhne offensichtlich ohne unterstützende Geldmittel hinterläßt; für Töchter gab es auch keine Unterstützung, aber das ist eine andere Geschichte. Jüngere Söhne und die Söhne der jüngeren Söhne hatten keine Aussicht, die Freiherrschaft der Familie zu übernehmen. Einige übernahmen kirchliche Aufgaben, andere wurden angestellte Kämpfer (Ritter) größerer Fürstentümer. Einige fanden Arbeit als Verwalter und Beamte. Obwohl sie einen edlen Namen trugen und sich nicht sorgen mußten, mit den Schweinen zu essen oder schimmeliges Brot zu sich zu nehmen, diese seitlichen Verwandten der Freiherren lebten kein blendendes Leben.
Dies führt zum nächsten Sachverhalt. Die Riedesels in Amerika stammen alle von einem Kleinbauerngeschlecht in einem kleinen Territorium namens Wittgenstein ab. Wie kommt diese Verbindung zustande?
Die Herrscher in Wittgenstein trugen den Titel eines Grafen. Die Ausdehnung ihrer Grafschaft veränderte sich im Verlaufe der Jahrhunderte, aber sie hatten die Macht seit etwa 1200. Die meisten Kleinbauern schuldeten den größten Teil ihrer Verpflichtungen dem Grafen. Aber auch anderen untergeordneten Adelsständen waren sie rechtlich unterstellt. Kleinbauer und ihre Dörfer konnten einfach getauscht werden, genau wie Pferde auch. Einer dieser Nobelmänner, die einige Rechte im südlichen Teil von Wittgenstein besaßen, war der Freiherr Riedesel von Lauterbach.
Ich denke, es ist kein Zufall, daß kleinere Beamte mit dem Namen Riedesel in den Wittgensteiner Chroniken erscheinen. Ich bin überzeugt, daß sie Nachfahren waren von Verwandten aus einer Seitenlinie der Riedesel von Lauterbach. Sie sind ursprünglich nach Wittgenstein gekommen, um Steuern etc. bei den Kleinbauern einzutreiben. Im Verlaufe von Generationen wurden sie von der Bevölkerung aufgenommen.
Der erste Hinweis auf einen Riedesel in Wittgenstein datiert auf das Jahr 1347. Bernhard Riedesel war eine Art bewaffneter Mann in Diensten des Grafen. Ein Graf Riedesel ist in einem anderen Dokument von 1360 im Zusammenhang mit der Residenz einer Ritterfamilie in Diedenshausen erwähnt. Ein Sitz der Grafen von Wittgenstein war in der Stadt Berleburg. 1541 gab es einen untergeordneten zivilen Beamten namens Wilhelm Ritesel in Diensten des Grafen von Berleburg. Schließlich wurde kurz vor 1600 ein Henrich Riedesel in dem Weiler Melbach/Balde geboren. Er lebte bis 1680. Von 1641 bis 1645 (gegen Ende des 30-jährigen Krieges) diente er dem Grafen als Kutscher. Dies war kaum ein Beruf für einen Aristokraten. Seine Nachkommen, über die wir einiges wissen, waren unfreie Kleinbauern, wie alle anderen auch.
Zusammengefaßt ist es wahrscheinlich, daß die Riedesel von Wittgenstein (und die von Amerika) eine Abstammungslinie zu den Freiherren Riedesel in Lauterbach haben. Jedoch ist jeder authentische Adelsanspruch um 1500 verlorengegangen, wenn nicht schon eher. Die Riedesels von Lauterbach - immer noch existent und ziemlich erfolgreich -, die das alte Schloß Eisenbach und den ehrenvollen Titel Freiherr beibehalten haben, beanspruchen keine Verwandtschaft zu dem Rest von uns. Es ist mehr als nur etwas hochtrabend von uns, die dubiose Unterscheidung herbeizusehnen, adelige Verwandte zu haben.
2. Von Wittgenstein
Unsere Riedesel Vorfahren, von denen wir etwas wissen, lebten in der Grafschaft Wittgenstein. Es mag uns etwas eigenartig vorkommen, für ein europäisches Territorium den Begriff Grafschaft zu verwenden, aber dies ist die angemessenste Beschreibung. Die Herrscher hatten den Titel eines Grafen (engl.: Count), deshalb wird ihr Territorium als Grafschaft bezeichnet. Wittgenstein liegt rund 70 Meilen nördlich von Frankfurt und 70 Meilen östlich von Köln. Es ist ein Teil des Rothaargebirges am Südrand des Sauerlandes. Das Bergland (eher hügelig für jemanden, der die Rockies kennt) hat die Region in Isolation gehalten.
Wir sprechen von Wittgenstein als einem einzigen Territorium. Jedoch wurde es tatsächlich 1404 zwischen zwei Brüdern aufgeteilt. Der südliche Teil wurde bekannt als Wittgenstein-Wittgenstein, der nördliche dagegen als Wittgenstein-Berleburg. Die jeweiligen Größen sind ungefähr 105 Quadratmeilen und 85 Quadratmeilen. Unsere Wurzeln liegen in dem letzteren. Die beiden Grafschaften hatten identische Beziehungen zu anderen Mächten und das Leben war jeweils ähnlich.
Eine wechselvolle Landkarte: Bei der rückblickenden Betrachtung der Geschichte Wittgensteins ist es hilfreich, sich die Landkarte Zentraleuropas als Kaleidoskop vorzustellen. Lassen Sie uns im Jahre 800 beginnen, als Karl der Große als König der Franken gekrönt wurde. Die Franken waren ein großer germanischer Stamm, der sich von dem Fluß Main im Osten bis in das heutige Frankreich ausbreitete. Karl der Große und seine Vorgänger hatten eine gefestigte Kontrolle über dieses große Territorium und über viele andere Leute außer den Franken.
In der Mitte dieses Kaleidoskops ist dieses alleinstehende, große, einfarbige Stück - das Königreich Karls des Großen, bekannt als das anspruchsvolle Heilige Römische Reich. Innerhalb diese Reiches gab es wichtige und starke Territorien, wie Bayern. Sie waren verbündet, so auch in ihrer Treue zum Kaiser. Eine kleine Gruppe machtvoller Herrscher - weltliche Fürsten und Erzbischöfe - wählten einen neuen Kaiser wenn der alte gestorben war.
Jetzt verändert sich das Kaleidoskop. über die Jahrhunderte wurde das Kaiserreich mehr und mehr eine Fiktion. Die Könige, Herzöge, Erzbischöfe und andere Prinzen zogen immer mehr Macht an sich. An Stelle eines einzelnen Zentralstaates sehen wir ein wachsendes Flickwerk unterschiedlicher Farben, das heißt, verschiedene Staaten. Einer davon war das winzige Gebiet bekannt als Wittgenstein. Ursprünglich ein Verwaltungsbezirk am Rande des Reiches Karls des Großen kam es im 13. Jahrhundert unter die Kontrolle der Familie Sayn-Wittgenstein.
Die Bewohner hatten in diesem imperialistischen System ein paar Rechte, aber nur ein paar. Wie in allen germanischen Staaten wurde die Macht der Herrscher mehr und mehr absolut. Die protestantische Reformation und die folgenden Religionskriege zerrissen das Kaiserreich und machten den Kaiser zu einer Schattenfigur. Wo England und Frankreich vereinigte Königreiche wurden, gab es kein Deutschland mehr. Alles, was existierte, war dieses Kaleidoskop unabhängiger Territorien; einige davon groß andere klein.
Veränderungen gab es nur allmählich. Der erste große Schritt zur Schaffung eines zentralen Deutschland war Napoleon Bonapartes Einverleibung und Unterordnung verschiedener deutscher Staaten. Die Grafen von Wittgenstein verloren bei dieser Gelegenheit ihre Souveränität; Wittgenstein wurde Teil des Großherzogtums Hessen. Die gleichen Konsolidierungen setzten sich auch woanders fort. Napoleons Reich wurde endgültig durch die vereinigten Kräfte Großbritanniens und Brandenburg Preußens besiegt. 1815, auf dem Wiener Kongress, haben die Sieger die Landkarten neu gezeichnet. An Stelle von hunderten, halbsouveräner Territorien (weltlich und kirchlich) gab es nun eine lose Verbindung von 39 souveränen Staaten. Das sind immer noch viele Stücke in unserem Kaleidoskop, aber einfacher als vorher.
Wittgenstein war jetzt ein Bezirk des Staates Preußen. Die territoriale Identität war gut gefestigt aber die Souveränität der Grafen hatte ein Ende. 1816 lebten in Wittgenstein-Berleburg etwa 7200 Einwohner und in Wittgenstein-Wittgenstein etwa 9000.
Eine endgültige Wende des Kaleidoskops bringt eine neue Resolution mit sich. Kanzler Otto von Bismarck, in Diensten des Königs von Preußen, bewerkstelligte die Vereinigung des deutschen Staates durch eine Reihe von Kriegen zwischen 1864 und 1871. Es gab wieder ein einziges Deutsches Reich, dessen Kaiser der König von Preußen war.
Durch nichts mehr als die administrative Einheit hat Wittgenstein seine geographische Identität bis zur Gegenwart bewahrt. 1975 wurde es mit dem benachbarten Kreis Siegen aus politischen Gründen vereinigt. Die Nachfolger der Grafen residieren immer noch in ihren alten Palästen in Berleburg und Laasphe. Sie sind Großgrundbesitzer und Arbeitgeber und tragen nach wie vor ihre ererbten Titel.
Von der napoleonischen Zeit bis zum Ende des zweiten Weltkrieges war Wittgenstein ein Teil des Staates Westfalen. Nach dem Krieg schufen die Alliierten eine neue politische Landkarte und eines der neuen Länder war Nordrhein-Westfalen, zu dem der Bezirk Wittgenstein gehört. Historisch hatte Wittgenstein Verbindungen zu den hessischen Grafen in Marburg, wie zu den Freiherren Riedesel von Lauterbach.
Heute. Trotz der politischen Veränderungen im Verlaufe der Jahrhunderte und der verringerten Macht der Familie Wittgenstein, bewahren die gewöhnlichen Einwohner Wittgensteins eine große regionale Identität (wie alle Deutsche). Bis in dieses Jahrhundert sprechen viele eine Art Plattdeutsch, das unverständlich ist für jeden, der ein Standartdeutsch in einer amerikanischen Schule gelernt hat. Es gibt eine recht aktive Geschichtsgruppe, die sich der Dokumentation und Wahrung von Geschichte und Kultur dieser Region widmet.
3. Wunderthausen
Die Mehrheit der Riedesels in Amerika verfolgt ihre Wurzeln zurück in das Dorf Wunderthausen in der nordöstlichen Ecke Wittgensteins. Wir lassen die Familiengeschichte an anderer Stelle an uns vorbeistreifen. Dieser Abschnitt beschreibt die Geschichte, die Leute und die Situation von Wunderthausen.
Lage. Wunderthausen ist, umgeben von Wäldern, in ein schmales Tal eingebettet. Zwei kleine Bäche, Bubenkirchebach und Schoppenwasser, fließen durch das Dorf und bilden dann im Südosten die Elsoff (heute die Grenze zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen). Die Hauptstraße verbindet Berleburg im Westen mit Hallenberg im Osten. Eine andere Straße führt in nordwestlicher Richtung nach Wemlighausen. Hinter dem historischen Unterdorf, dem Herzen der Ortschaft, erheben sich steile Berge. Einige sind für Weiden und Heuwiesen gerodet, andere sind in den letzten 100 Jahren mit neuen Häusern bebaut worden. Alle Straßen sind gepflastert und leicht befahrbar, aber oft steil.
Zwei Kilometer Richtung Berleburg liegt das kleinere Dorf Diedenshausen. Die beiden Dörfer sind historisch miteinander verbunden. Ältere Leute reden jedoch von Dialektunterschieden. Da es üblich war, untereinander zu heiraten, sind gewisse Namen in einem Ort häufiger anzutreffen als in dem anderen. Heutzutage haben sie eine gemeinsame Schule und den Pfarrer teilen sie sich seit 1891, aber sie haben eigene Vereine und Verbindungen.
Die älteren Häuser (errichtet im 18. Jahrhundert oder noch eher) wurden üblicherweise mit großen, freiliegenden, äußeren Balken errichtet, zwischen denen verputzt wurde, was wir "half-timbered" und die Deutschen Fachwerk nennen. In Wittgenstein sind die Balken schwarz gestrichen. Etwas weiter östlich, in Hessen, wird rot (Ochsenblutfarbe) bevorzugt. Bedauerlicherweise wurden die meisten alten Häuser in Wunderthausen gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch Brände zerstört. Nur noch drei wirklich alte Häuser existieren und bei einem davon ist das Fachwerk durch eine moderne Fassade verdeckt worden.
Mehr Exemplare dieser liebevollen Fachwerke findet man in Diedenshausen. Überall in Deutschland gibt es solche Häuser mit kontrastvollen Inschriften in den Hauptbalken. Manche sind Bibelsprüche, andere Gedenkschriften des Paares, welches das Haus errichtet hat. Im blühenden Deutschland, das aus der Asche des letzten Krieges entstanden ist, sind sie liebevoll restauriert worden.
Wie auch anderswo in dieser Region üblich, werden bessere Häuser oft mit Schiefer gedeckt, der vor Ort abgebaut und aufbereitet wird. Er hält dem rauhen Wetter bestimmt stand. Die alten Häuser, häufig nach Bränden wieder neu errichte, sind oft groß. In den alten Tagen war es üblich, daß drei Generationen und/oder unverheiratete, erwachsene Kinder unter einem Dach lebten. Die Viehställe und Heuschober waren ebenfalls Teil dieses Gebäudes. Ach, die Tendenz, die alten Häuser zu modernisieren, verdeckt mehr und mehr das charakteristische Äußere. Dennoch ist der amerikanische Besucher beeindruckt von der Sauberkeit sowohl der Städte als auch der Dörfer. Blumenkästen sind sehr populär. Straßen und Gehwege sind sauber und in einem exzellenten Zustand.
Die kleine Kirche liegt im Zentrum von Wunderthausen. Sie wurde 1956/57 neben und im Stil der alten aus dem Jahre 1733 errichtet. Typischerweise enthält sie nur den Altar, das Hauptschiff und die Empore - keinen Raum für die Sonntagsschule, keine Küche usw. Die Menschen in Wittgenstein waren weitgehendst Calvinisten als Gegensatz zu den Lutheranern. Die Toten wurden auf dem Kirchengelände beerdigt. Man braucht nicht zu erwähnen, daß arme Kleinbauern weder Grabsteine noch private Gräber besaßen. Um die Jahrhundertwende wurde ein neuer Friedhof errichtet, nicht weit von der Kirche. Eine separate Friedhofskapelle steht in der Nähe. Die Gräber sind sorgfältig gepflegt, in den Sommermonaten von frischen Blumen umrankt.
Für deutsche Verhältnisse sind die Winter streng und die Jahreszeit ist kurz, in der alles wächst und gedeiht. Ski fahren und andere Wintersportarten tragen zum lokalen, wirtschaftlichen Einkommen bei. Klare, sonnige Himmel sind die Ausnahme.
Wenn es nach den Deutschen geht, gehören die Bäume in den Wald. Ein Besucher in Amerika ist beeindruckt von den städtischen Forsten in unseren Ortschaften. Es gibt schmückende Bäume in deutschen Dörfern, aber nichts vergleichbares zu den Alleen irgendeiner Stadt im mittleren Westen Amerikas.
Heute leben nur wenige Leute in Wunderthausen von der Landwirtschaft. Ein paar andere sind im Ort in der Holzverarbeitung beschäftigt. Es gibt einige kleinere Geschäfte (Tante Emma Läden) und eine größere Pension (Gasthaus mit Restaurant). Ansonsten verdient man seinen Lebensunterhalt in einer größeren Stadt oder mit Holzfällen. Daß die Leute komfortabel leben ist klar. Aber für das Leben im Dorf gibt es keine wirtschaftliche Grundlage mehr. Die Zukunft Wunderthausens wird blühender aber weniger reich sein als die Vergangenheit.
Geschichte. Nach Meinung von Fachleuten gibt es seit dem Jahre 950 Ortsnamen, die auf -hausen enden,. Wir wissen, daß Wittgenstein selbst, auf Anweisung von Karl dem Großen, im späten 8. Jahrhundert von Franken, die aus Hessen kamen, besiedelt wurde. Wittgenstein liegt an der ehemaligen Grenze zwischen den Franken und den Sachsen im Norden. So gesehen war Wittgenstein eine Marsch oder Grenzregion. Ob Wunderthausen zu diesem Zeitpunkt bewohnt war, weiß man nicht.
Das erste Dokument, das auf Wunderthausen verweist, stammt aus dem Jahre 1303. Zu dieser Zeit und bis in das Jahr 1400 lagen alle Rechte Wunderthausens in den Händen der Ritter von Diedenshausen und weniger in denen des Grafen Wittgenstein. Um 1400 sind die Ritter von Diedenshausen ausgestorben. Danach entstanden Auseinandersetzungen zwischen den Wittgensteins und anderen Ritterfamilien über die Besitztümer.
Aus welchen Gründen auch immer, sowohl Wunderthausen als auch Diedenshausen wurden im frühen 15. Jahrhundert nicht weiter bewohnt. Ein Jahrhundert später, 1538, wurden beide Dörfer wieder besiedelt. 1561 hatten die Grafen von Wittgenstein eindeutige Hoheitsrechte über beide Ortschaften. Die Herkunft und Identität dieser neuen Siedler sind geschichtlich verlorengegangen. Mündliche überlieferungen sagen, daß sie aus dem benachbarten Hallenberg kamen. Die aktuellen Familiennamen in Wunderthausen erscheinen bis in das späte 17. Jahrhundert in keinen Aufzeichnungen. Hier ist zu vermerken, daß der 30-jährige Krieg (1618 -1648) seinen Tribut forderte, sogar im isolierten Wittgenstein. 1986 schreibt der Historiker Karl-Ernst Riedesel:
"Während des 30-jährigen Krieges gab es in Wittgenstein keine Militäraktionen, aber viele Armeen sind durch die Länder marschiert und verlangten hohe Kontributionen, mit Soldaten, die plünderten und raubten, was sie als geeignet ansahen. Am schlimmsten von allem waren die Krankheiten, die mit den Armeen kamen, und davon wiederum die Pest, die Wittgenstein mehr als einmal in dieser Zeit heimsuchte. Am Ende des Krieges waren die beiden Wittgensteiner Länder vollkommen ruiniert. Die Bevölkerungszahl war auf 1/3 von vor 30 Jahren reduziert und der Krieg hatte alles zerstört, was gesund in Wittgenstein gelebt hatte. Viele Familien waren durch Gewalt, Hunger oder Krankheit ausgerottet, ganze Dörfer verlassen worden."
Anmerkung des Verfassers: Der vollständige Artikel Karl-Ernst Riedesels über die Gründe zur Auswanderung aus Wittgenstein ist verfügbar (Englisch).
Obwohl viele Leute von der Wiederbesiedelung bis zum 30-jährigen Krieg in Wunderthausen gelebt haben mögen, 1677 gab es nur 22 bekannte Häuser. Alle diese Häuser hatten Namen, die meisten davon bestehen jetzt seit über 300 Jahren. Sie erinnern an den Vor- oder Familiennamen der ersten bekannten Einwohner von Wunderthausen:
- Manneshaus (nach dem Vornamen Mannes oder Hermann)
- Ludwigshaus (nach dem Vornamen Ludwig)
- Hohmannshaus (nach dem Familiennamen Hohmann)
- Gundermannshaus (nach dem Vornamen Gundermann)
- Krohhaus (nach dem Familiennamen Kroh)
- Weißkopfs (nach einem Mann mit weißen Haaren)
- Lotzes (nach dem Vornamen Lotze)
- Seilershaus (nach dem Familiennamen Seiler)
Ein örtlicher Heimatforscher, der Anfang dieses Jahrhunderts gearbeitet hat, zitiert die folgenden Schätzungen und offiziellen Bevölkerungszahlen:
Jahr Häuser Einwohner
| Jahr | Häuser | Einwohner |
| 1677 | 22 | 130-140 (geschätzt) |
| 1700 | 23 | 140-150 (geschätzt) |
| 1750 | 30 | 225 (geschätzt) |
| 1800 | 39 | 350 (geschätzt) |
| 1850 | 70 | 450 (geschätzt) |
| 1875 | 505 (offiziell) | |
| 1880 | 484 (offiziell) | |
| 1890 | 506 (offiziell) | |
| 1900 | 100 | 572 (offiziell) |
Außerdem haben wir diese landwirtschaftliche Statistik aus dem Jahr 1900, gültig für 100 Häuser:
- Pferde 5
- Schafe 11
- Schweine 87
- Bienenstöcke 42
- Kühe 469
- Ziegen 40
- Hühner 556
- Obstbäume 1019
Zuverlässige genealogische Aufzeichnungen beginnen im Jahre 1677 mit kirchlichen Geburts- und Taufregistern. Tod und Beerdigung werden aber bis 1740 nicht dokumentiert. Jedoch tauchen die Namen, die geschichtlich mit Wunderthausen verwoben sind, mit den ersten Geburtsdokumenten auf:
- Trapp
- Strackbein
- Homrighausen
- Knoche
- Pott
- Spies
- Dienst
aber keine Riedesels.
Der erste Riedesel in Wunderthausen war Wilhelm (* 1677), der die Tochter eines relativ erfolgreichen Landwirtes heiratete. Sie hatten acht Kinder. Alle Riedesels, die von Wunderthausen aus nach Amerika kamen, sind Nachkommen ihres Sohnes Gabriel, der 1715 geboren wurde. Nebenbei gesagt, die Namen Strackbein (abgeleitet von "starken Beinen") und Homrighausen (ein Ortsname im westlichen Teil Wittgensteins) treten einheitlich in Wittgenstein in Erscheinung. Wenn Sie jemanden mit diesen Namen treffen - ebenso wie Riedesel - sind diese praktisch sicher Nachkommen aus diesen kleinen Dörfern.
Landwirtschaft. Die amerikanische Vorstellung einer Farm ist ein Bauernhaus umgeben von Feldern mit Korn und Sojabohnen, oder vielleicht einigen Feldern mit Weizen. Der nächste Nachbar wohnt mindestens eine halbe Meile entfernt. Die Stadt ist da, wo man üblicherweise einkauft, seine Bankgeschäfte erledigt und seine Ernte verkauft. Die Kleinbauern in Wittgenstein waren, historisch gesehen, Farmer, aber in einer anderen Art und Weise. Sie lebten in einer Traube von Häusern mit angegliederten Außengebäuden. Äcker und Weiden lagen außerhalb des Dorfes. Jeden Tag, außer im Winter, mußte das Vieh auf die Weide getrieben, gehütet und wieder nach Hause getrieben werden. Um außerhalb liegende Weideplätze zu erreichen, benötigte man oftmals mehr als eine Stunde. Hier und da konnte man ein einzelnes Haus finden, aber die Gemeinschaft der Kleinbauern war die Norm.
Für die Leute gab es nur eingeschränkte Anbaumöglichkeiten - Heu, Kartoffeln und Roggen. Weizen war riskant. Was angebaut wurde, wurde im wesentlichen selbst verbraucht. Da ja der Graf Eigner des einzig wirklichen Besitztums war - des Waldes - waren die Leute von Wunderthausen unter starkem Druck, etwas zu produzieren, das man gegen harte Währung eintauschen konnte
Nach der Beseitigung der Feudalabgaben und der Befreiung der Kleinbauern (Begann nach dem Wiener Kongreß 1815, war aber 1841 noch nicht abgeschlossen) entwickelte sich eine interessante Industrie, die ungefähr ein Jahrhundert anhielt. Bis in die frühen 50-er Jahre diese Jahrhunderts ergänzten viele Familien ihre Einkommen, indem sie in den Wintermonaten Holzlöffel und andere Utensilien schnitzten. Eine Löffelstube wurde hinter der Küche eingerichtet, wo die ganze Familie 10 Stunden am Tag arbeitete, um ein paar Mark zu verdienen. In Spitzenzeiten dieser Industrie produzierten die Menschen in Wunderthausen erstaunliche 900 000 Löffel pro Jahr.
4. Einwanderung
Für uns ist es schwer, sich die Gedanken und Gefühle unserer Vorfahren vorzustellen, welche die Alte Welt Richtung Neue Welt verließen. Einige hofften, wieder zurückzukehren - nur wenige haben es realisiert. Junge Männer und Frauen mußten wissen, daß sie ihre Eltern, Großeltern und Freunde niemals wiedersehen würden. Ein paar von denen, die nicht im Militärdienst standen, waren aus dem betroffenen Gebiet ausgereist. Wenn man dabei bis zum Hamburger Hafen reiste, begegnete man Deutschen mit sehr unterschiedlichen Versionen dieser Sprache.
Obwohl mehrere hundert Wittgensteiner 1796 das Land verließen, begann die große Auswanderung nicht vor den 40-er Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Köder der Staatsbürgerschaft in Amerika und billiges Land jenseits des Ozeans waren verlockend. Heute können wir die psychischen Belastungen nicht richtig einschätzen, die das endgültige Verlassen eines Lebensweges, der sich über Generationen nur wenig verändert hatte, mit sich brachte. Wie schlecht standen die Dinge?
Wir finden darauf eine zeitgenössische Antwort in dem Bericht eines Ministers, der im Namen des preußischen Königs 1816 die Bedingungen in den (jetzt verschmolzenen) Grafschaften begutachtete. Er zeichnet ein Bild von armen, isolierten Leuten, die von ihren Wittgensteiner Herrschaften schwer besteuert wurden. Sie waren ihren Regenten zu umfassenden Diensten verpflichtet, benötigten Genehmigungen um irgendwohin zu gehen und hatten fast niemals einen Rechtsanspruch auf ihre Häuser oder das Land, das sie bewirtschafteten.
Nachstehend eine Auszüge aus diesem Bericht:
Die Graftschaften Wittgenstein-Berlenburg und Wittgenstein-Wittgenstein liegen, von allen Seiten mit hohen Gebirgslanden umgeben, auf einem der höchsten Punkte von Deutschland. Beide Graftschaften sind sehr gebürgigt. Die Täler, welche das Gebirge durchschneiden, sind enge und mit wenigen Ausnahmen, woze die in etwa geöffnete Gegend von Berleburg and das mildere Tal von Laasphe gehören, nur dadurch gebildet, dass mehrere Gebirge an ihren Fusse sich berühren.
Bei der hohen Lage, den engen Tälern und dem Luftzuge in denselben kann das Klima nicht anders als rauh sein. Schon frühzeitig im Herbst tritt die kalte Jahreszeit ein. Während des strengen und lange anhaltenden Winters ist in einem grossen Teile des Landes die innere Verbindung nicht selten wegen des häufigen Schnees unterbrochen. Früchte, die durch Früh- und Spätfröste leiden, finden hier kein Gedeihen, und es ist daher die Betriebsamkeit des Landmanns auf wenige Gegenstände beschränkt.
Der Boden besteht mehrenteils aus Tonschiefer. Die Berge sind in der Grafschaft Wittgenstein-Berlenburg grossenteils, in der Grafschaft Wittgenstein-Wittgenstein fast allgemein teils ganz, teils vom Gipfel bis an die Hälfte des Abhanges mit Wäldern bedeckt. An diese schliessen sich die sogenannten Aussenfelder, das ist solche an, die nur alle 15 bis 20 Jahre, oft sogar während eines Menschenlebens kaum einmal in Bearbeitung genommen, dann zwei, höchstens drei Jahre besäet werden und demnach wieder einge lange Reihe von Jahren bloss als spärliche Hude benutzt liegen bleiben. Am unteren Abhange der Gebirge bis zum Fusse hin befinden sich in der Nähe der Ortschaften die Düngefelder, die ständig zum Ackerbau dienen. Die Täler und Schluchten werden zum Graswuchs benutzt. . .
Die Wälder sind Eigentum der beiden Herren Fürsten. Des Bestand, der in der Regel in Buchenhochwald besteht, ist mehrtenteils gut, obschon er, was aus der früheren Bewirtschaftungsart herrühren mag, den strengen Regeln einer guten Forstwirtschaft nicht völlig entspricht.
Auch heute noch ist Wittgenstein eine der am dichtesten bewaldeten Regionen Deutschlands. Die Wälder sind über Jahrhunderte bewirtschaftet worden. Sie sorgen bei vielen für Beschäftigung, aber nicht für Wohlstand, da sie (immer noch) im Besitz der Grafen sind. Kultivierbares Land ist heiß begehrt. Angesichts des rauhen Klimas ist es eine Herausforderung, genug Getreide anzubauen. Konsequenterweise werden Milchkühe immer wichtiger. Auch sie sind ein Spiegelbild der rauhen klimatischen Gegebenheiten.
Wenn eine Familie nur eine oder zwei Milchkühe hat, ist der Tagesbedarf an Protein sichergestellt. Aber man kann nicht einmal eine Milchkuh halten, wenn man keine Futterweide und keine Wiese zur Heuernte für den langen Winter hat.
Ein kleine Anzahl von Bürgern konnte Land ihr eigen nennen und wurde freie Männer genannt (auf Frauen traf dies nicht zu). Der größte Teil der Bauern lebte in Häusern und bearbeitete das Land, das den Grafen gehörte. (Vor der Reformation war das Land auch im Besitz größerer Kirchenbehörden.)
Pachtbesitz wurde von Generation zu Generation entsprechend den lokalen Gepflogenheiten weitergegeben, gehörte im rechtlichen Sinne aber nicht den Kleinbauern. Ihre Steuern und Dienstleistungen, die sie dem Grafen schuldeten, richteten sich nach der Größe des Hauses und des Landes, das sie bearbeiteten. "Reiche" Kleinbauern besaßen genug Land, hielten sich viele Kühe und waren selten hungrig. Ein Mann konnte nicht davon ausgehen, eine Familie ernähren zu können, wenn er kein Land für Felder und Wiesen besaß. Wenn er nicht das älteste Kind in seiner Familie war, war seine größte Hoffnung, eine Frau zu finden, die das älteste Kind in ihrer Familie war und auf diese Weise die Rechte ihres Vaters an Haus und Land ererbte.
In Wittgenstein war es Brauch, abgeleitet von alten fränkischen Gepflogenheiten, daß das älteste Kind, unabhängig vom Geschlecht, Haus und Land der Familie übernahm.
Die weniger glücklichen hatten kein Land, das sie bearbeiten konnten, keine Milchkühe und somit wenig Chancen mehr zu erreichen als gerade mal den Lebenserhalt. Männer konnten als Schäfer, Maurer, Holzfäller usw. arbeiten und mit den glücklicheren Mitgliedern ihrer eigenen Familie oder aber anderswo leben. Sie waren offensichtlich nicht in der Lage, zu heiraten und Kinder zu ernähren. Unverheiratete Frauen konnten die Hausarbeit machen.
Trotz alledem unterhielten die Grafen von Wittgenstein selbst keine bedeutenden militärischen Einheiten, wie es bei anderen Herrschern der Fall war, die ihre "Rekrutierer" überallhin entsandten, um junge Männer zum Dienst zu zwingen. Ihre Vorgehensweise unterschied sich in nichts von Menschenentführung. Wenn die Grafen dagegen protestiert hätten, hätte dies auch nichts geändert. Sehr wahrscheinlich waren sie glücklich, noch mächtigeren Herrschern auf diese Weise dienen zu dürfen und dabei größeren Druck von der Bevölkerung abwenden zu können.
Die größte Anzahl der Auswanderer scheinen alleinstehende, junge Männer zu sein. Ihre Möglichkeiten zu Hause nahmen mehr und mehr ab und ihnen blieb nur, zu gehen oder zu bleiben. Trotzdem ließen auch ganze Familien Wittgenstein hinter sich. Mitte des 19. Jahrhunderts konnten auch gewöhnliche Leute selbst Land besitzen. Jene, die nach Amerika gingen, waren nicht unbedingt die ärmsten unter den Armen.
Die Einwanderer namens Riedesel. Man kann die Riedesels, die Wittgenstein verließen, einfach in einigen Familiengruppen aus Wunderthausen und zwei aus Erndtebrück aufteilen. Ich identifiziere die Einwanderer aus Wunderthausen mit dem Namen der Häuser, aus denen sie stammten.
Haase: Eine der ersten Familien, die Wunderthausen Richtung Vereinigte Staaten verließ, war die von Ludwig Riedesel (1784 - 1847) und seiner Frau Florentine geb. Althaus (1792 - 1847). Zwei ihrer Kinder starben jung, aber 1845 kamen sie mit ihren fünf erwachsenen Kindern nach Amerika:
- L. Heinrich (Henry) (1818 - 1894)
- Anna Elisabeth (1820 - 1909)
- J. Ludwig (1822 - 1910)
- Georg L. (George) (1825 - 1901)
- Johannes (John) (1829 - 1904)
Sie siedelten in Galion, Ohio. Bedauerlicherweise kostete eine Choleraepidemie 1847 das Leben des alten Paares, ebenso wie das der Frau von Henry (Amalia Beitzel aus Wunderthausen) und deren Tochter. Die Kinder zogen westwärts nach Wheatland in Iowa, das eine Art "Neu - Wunderthausen" wurde, weil viele Einwanderer aus dem alten Dorf über Jahre hinweg dort siedelten. Henry heiratete in zweiter Ehe Elisabeth Schumacher. J. Ludwigs Verlobte, Catherine Schneider, war mit der Familie nach Amerika gereist. Anna heiratet Franz Homrighausen aus Wunderthausen. Georgs Frau, Elizabeth Gerhart, war bereits in Amerika geboren worden. John heiratet Elisabeth Knoche aus Wunderthausen.
Bergmanns:Die drei Brüder namens Louis, Henry und John (Ludwig, Heinrich und Johannes) kamen zwischen 1850 und ungefähr 1870 nach Amerika; die Schwester Wilhelmina war 1848 ausgewandert.. Henry (1834 - 1898) war der älteste und kam Mitte der 50-er Jahre nach Amerika. Gerüchteweise arbeitet er sich als Maurer und Brunnengräber den Mississippi hinauf bis nach Iowa. Er heiratete eine Tochter aus Wunderthausen, Florentina Schneider. Ihre letzten Jahre verbrachten sie in Lanesboro, Iowa. Louis (1840 - 1913) wanderte etwas später mit seiner Frau, Katherine Peter aus Diedenshausen ein. Sie lebten in Big Rock, Iowa. Der jüngere Bruder, John (1851 - ?) kam in 1860. Eventuell ist er von Wheatland nach Rochester, New York, gegangen, wo er Elizabeth Mehne heiratete.
Altehäusers: Ein Cousin ersten Grades der Brüder aus Bergmannshaus war ein anderer Henry (1836 - 1902). Er hat Wunderthausen nicht vor 1892 verlassen, nachdem seine Frau, Elisabeth Dickel, gestorben war. Er brachte seinen Sohn, Christian-Willi, mit. Sie lebten in Rochester, New York.
Schreiners/Großeludwigs: Eine große Familie kam aus diesem Haus in den 60-er und 70-er Jahren des 19. Jahrhunderts. Sie siedelten hauptsächlich in der Gegend von Kansas City, wo es einige Verwandte der Familie Knoche aus Wunderthausen gab. Offensichtlich haben Ludwig (1809 - ?) und Elisabeth Riedesel, * Knoche (1831 - ?) Deutschland 1864 mit ihren gemeinsamen Kindern sowie mit den Kindern aus seiner ersten Ehe verlassen. Kinder, von denen bekannt ist, daß sie nach Amerika kamen, waren:
- John (1833 - 1898)
- Henry (1841 - 1917)
- George (1844 - 1932)
- Louis (1847 - 1929)
- Phillip John (1860 - 1940)
Weymers: Drei Brüder aus diesem Haus kamen nach USA und ließen dabei zwei Schwestern und einen weiteren Bruder zurück. George (1842 - 1927) ist nicht vor 1906 gegangen und war der letzte Riedesel, der, von Wunderthausen kommend, in Amerika eingewandert ist. Seine Frau, Catherine, war ebenfalls eine geborene Riedesel. Nur ihre jüngeren Kinder kamen mit ihnen. Henry (1847 - 1930) verließ Wunderthausen 1867 und lebte verschiedentlich in Pennsylvania, Iowa und North Dakota. Frederick (1852 - 1916) kam Anfang der achtziger Jahre nach Amerika. Seine Frau, Petra Nella van der Meer (1864 - 1946) war Holländerin. Sie siedelten in Worthigton, Minnesota.
Am Kloster: Diese Seitenlinie siedelte ebenfalls in der Gegend von Kansas City. Wir wissen nicht genau, wann Henry Herman Riedesel (1865 - 1935) und seine Schwester, Catherine, nach Amerika kamen. Offenbar war es zu Beginn oder Mitte der 1890-er Jahre.
Försters hinter der Huthe: George Louis (1863 - 1933) und Henry (1865 - ?) Riedesel waren Brüder. George kam 1881 nach USA und lebte zunächst in Wheatland. Er heiratete seine Englischlehrerin, Mary Wilder. Sie bauten ihr Haus in Denver, Iowa. Auch Henry kam 1881. Er heiratete Emma Peutsch und lebte in Wheatland. Ihre Schwestern Elisabeth (1861 -1948) und Florentine (1868 - ?) sind ebenfalls zu dieser Zeit eingewandert.
Wetzels: Johannes Riedesel (1787 - 1855) war als John Rittase gennant. Er wanderte um 1815 aus und heiratete Catherine Pott aus Mannes. Der Halb-Bruder Ludwig Riedesel (1817-?) war als Louis Radle gennant. Seine Schwester war Anna Riedesel (1815 - ?) und sie hat "George Radle" aus Seimes geheiratet. Alle lebten in New Jersey.
Känals:. Johannes Riedesel (1842 - 1891) wandert 1867 aus. Damals kam auch Maria Catharina Lauber (1848- ) aus Hohmanns. Sie heirateten in St. Louis aber lebten endlich in Milwaukee.
Seimes.:Johann Georg Riedesel (1810 - ?) war als "George Radle" gennant, und heiratete Anna Riedesel aus Wetzels in New Jersey. Ein Neffe und zwei Nichten folgten. Heinrich Friedrich Riedesel (1856 - 1931) war in Kansas gestorben. Florentine (1843 - ?) und Anna Catherine (1853 - ?) bleibten in New Jersey und heirateten Deutschen Männer.
Försters am Lotzenberg.: Johannes Riedesel (1815 - 1873) war als John Radle gennant. Zuerst lebte er in New Jersey aber später war die Famlie nach Iowa gegangen. Es ist möglich, dass der John Riedesel in St. Louis in der Tat Johannes Riedesel geboren 1847 in Försters am Lotzenberg war.
Erndtebrück: Dies ist ein größerer Ort im ehemaligen Wittgenstein-Wittgenstein. Eine Seitenlinie der Riedesels aus Wunderthausen sind in dieser Gegend seit dem 17. Jahrhundert angesiedelt. Es gab dort niemals so viele Riedesels wie in Wunderthausen, weder damals noch heute. Carl (1854 - 1936), Louisa (1860 - ?), und Helene waren Geschwister. Er siedelte in Minnesota, aber Louisa und Helene hatten in Texas geheiratet. Carl heiratete Margaretha Reinhardt (1862 - 1930). Er war viele Jahre lang Geschäftsmann in Crookston, Minnesota.
Zwei Onkels, Ludwig (1830 - 1901) und August (1826-?) kamen 1849 nach Amerika und lebten in der Nähe von Yorktown, Texas. Wie sein Neffe war Ludwig Lederhandwerker. Seine Frau, Justine König, war wahrscheinlich auch Deutsche.
Ein paar andere Riedesels leben in Amerika, deren deutsche Vorfahren ich nicht nach Wittgenstein habe zurückverfolgen können. Sie müssen jedoch irgendwie miteinander in Verbindung gebracht werden.
Die Amerikanisierung der deutschen Riedesel wird deutlich in den Statistiken, die ich verfügbaren Aufzeichnungen entnommen habe. Sie sind nicht vollkommen, zeigen aber, wie innerhalb von zwei Generationen die Nachkommen der Wittgensteiner im Schmelztiegel vermischt wurden; ich bevorzuge lieber die Analogie eines Topfes anstelle eines Schmelztiegels. Ethnische Klumpen überdauern im amerikanischen Leben und machen es viel interessanter als dieser vermischte, gleichmäßige Brei.
Ich beziehe mich auf frühere Untersuchungen zu ausführlichen Informationen über 484 Einwanderer und einige ihrer Nachkommen.
- 17 Männer, die aus Wunderthausen oder Erndtebrück eingewandert sind
- 102 Kinder dieser Einwanderer
- 169 Kinder der Söhne dieser Einwanderer
- 196 Kinder der Söhne dieser Söhne der Einwanderer
Einen Hinweis auf den Verlust der Beziehungen in die alte Grafschaft findet man in den Namen.
Während des 18. und 19. Jahrhunderts wurden etwa neun Jungennamen und elf Mädchennamen für die überwiegende Mehrheit der Kinder, die in Wunderthausen geboren wurden, verwendet. Die nachstehende Tafel zeigt die Häufigkeit, in der die Mitglieder der nachfolgenden Generationen in Amerika diese Namen anwandten. Natürlich haben viele dieser Namen englische Gegenstücke. Aber schon in der zweiten Generation (fast überwiegend in Amerika geboren) trug nur noch die Hälfte den traditionellen Wunderthäuser Namen. In der vierten Generation hatten nur noch 10% der Söhne und 14% der Töchter solche Namen.
In ähnlicher Art und Weise habe ich die Familiennamen von Ehepartnern überprüft und dabei beurteilt, ob sie deutschen Ursprungs waren oder nicht. Dies ist natürlich auch wieder unvollkommen, aber der abnehmende Trend über die Generationen ist eindeutig. Die meisten Männer der ersten Generation heirateten Frauen, die offensichtlich ebenfalls deutschen Ursprungs waren.
| Generation | Prozentualer Anteil traditioneller Wunderthäuser Vornamen | Prozentualer Anteil der Partner mit deutschem Familiennamen |
| 1. Generation Männer |
82 |
|
| 2. Generation Männer Frauen |
51 / 49 |
57 / 39 |
|
3. Generation Männer Frauen |
26 / 25 |
33 / 15 |
|
4. Generation Männer Frauen |
10 / 14 |
29 / 21 |
Die nächste Tafel fasst die Beziehungen zwischen den verschiedenen Riedesels zusammen, die, aus Wunderthausen kommend, eingewandert sind. Die Namen der Einwanderer sind kursiv geschrieben.
Familiengeschichte Einiger Einwanderer namens Riedesel aus Wunderthausen (nicht vollständig)
Wilhelm Riedesel (1677 - 1748)
Anna Spies (1679 - ?)
Gabriel Riedesel (1715 - 1781)
1) Anna Knoche Ruppert (1704 - 1749)
J. Ludwig Riedesel
(1741 - 1801)
Elisabeth Knoche (1743 - 1773)
Ludwig Riedesel (1770 - 1837)
Maria Dreisbach (1771 - 1831)
Johann Jost Riedesel (1795 - 1873)
Elisab. Homrighausen (1802 - 1872)
L. Heinr. Riedesel (1836 - 1902)
Elisabeth Dickel (1838 - 1885) Altehäusers
Georg Gabriel Riedesel (1807 - 1884)
Anna Müsse (1806 - 1859)
L. Heinr. Riedesel (1834 - 1898)
Florent. Schneider (1841 - 1920) Bergmanns
Louis Riedesel (1840 - 1913)
Katherine Peter (1838 - 1909) Bergmanns
John Riedesel (1847 - ?)
Elizabeth Mehne (? - ?) Bergmanns
Ludwig Riedesel (1809 - ?)
1) Amalia Knoche (1807 - 1851) 2) Elisabeth Knoche (1826 -
?) Schreiners/Großeludwigs
Gabriel Riedesel (1715 -
1781)
2)
Elisabeth Weller (1726 - 1780)
Georg Gabriel
Riedesel (1765 - ?) 1796 weggezogen; nicht weiter verfolgt
Johannes Riedesel (1753 - 1835)
Maria Dienst (1755 - 1805)
Johann Gg.
Riedesel (1778 - 1857)
Cath. Fuchs (1778 - 1845)
Ludwig Heinrich Riedesel (1802 - 1876)
Anna Krohe (1814 - 1878)
George Riedesel (1842 - 1927)
Catherine Riedesel (? - 1908) Weymers
Henry Riedesel (1847 - 1930)
Charlotte Bohle (? - 1937) Weymers
Fred Riedesel (1852 - 1916)
Petra Nelle van der Meer (1864 - 1946) Weymers
Johannes Riedesel (1805 - 1868)
Elisabeth Benfer (1805 - 1868)
Ludwig Riedesel (1826 - 1891)
Anna Fuchs (1830 - 1907)
George Louis Riedesel (1863 - 1933)
Mary Wilder (1869 - 1967) Försters
hinter der Huthe
Henry Riedesel (1865 - ?)
Emma Peutsch (? - ?) Försters hinter der Huthe
Georg Hermann Riedesel (1835 - 1890)
Elisab. Homrigh. (1836 - 1898)
Henry Herman Riedesel (1865 - 1935)
Bertha Curry (1873 - 1950) Am Kloster
Ludwig
Riedesel (1784 - 1847)
Florentine Althaus (1792 - 1847) Haase
L. Henry Riedesel (1818 - 1894)
1) Amalia Beitzel (1823 - 1847) 2) Elisabeth Schumacher (1831 - 1887) Haase
J . Ludwig Riedesel (1822 - 1919)
Catherine Schneider (1823 - 1894) Haase
Georg L. Riedesel (1825 - 1901)
Elizabeth Gerhart (1841 - 1926) Haase
Johannes Riedesel (1829 - 1904)
Elisabeth Knoche (1835 - 1923) Haase
5. Frühe Familiengeschichte
Dieser Abschnitt zählt die familiären Verbindungen der ersten Generationen von Riedesels in Wittgenstein auf, über die es Aufzeichnungen gibt. Wir konzentrieren uns auf das 17. Jahrhundert, weil andere veröffentlichte Arbeiten die Wege des frühen 18. Jahrhunderts aufgreifen. Die Quellen zu diesen Informationen liegen verstreut in kirchlichen und steuerlichen Aufzeichnungen. Zum Glück für uns haben örtliche Historiker die mühevolle Arbeit der Zusammenstellung und Veröffentlichung vieler dieser Archive bereits übernommen. Daß diese Aufzeichnungen unvollständig sind und nach 300 Jahren manchmal auch unklar, sollte nicht überraschen. Ich stelle hier meine bestmögliche Auslegung von dem vor, was vor so vielen Jahren geschah.
Die nachstehende Numerierung mit römischen Zahlen gilt für aufeinanderfolgende Generationen.
I. Henrich Riedesel
Der erste Riedesel, von dem wir mit hoher Wahrscheinlichkeit unsere Abstammung herleiten können, wurde kurz vor 1600 geboren. Sein Vorname ist offensichtlich eine Variante des üblichen Namens Heinrich (Henry). Er lebte in dem Weiler Melbach/Balde in Wittgenstein - Berleburg. Vor ihm gab es bereits ein oder zwei Generationen von Hausbesitzern mit Namen Heinrich, aber ihre Familiennamen sind nicht festgehalten worden. Sehr wahrscheinlich waren sie auch Riedesels, aber das wird man niemals erfahren. Dieses Haus war als "Herjes Haus" bekannt.
Aufzeichnungen belegen, daß er von 1641 bis 1645 dem Grafen als Kutscher diente, also fast bis zum Ende des 30-jährigen Krieges. Seine erste Frau, deren Namen wir auch niemals erfahren werden, starb zwischen 1646 und 1661. Sie hatten mindestens drei Kinder:
- Johannes (* Um 1634)
- Johannes (* Um 1640)
- Anna Catherine (* Um 1645)
- Ernst (* Um 1646
1693)
Alle Riedesels aus Wunderthausen sind Nachkommen des Sohnes Johannes.
Am 19. Mai 1661 heiratete Henrich in zweiter Ehe Gerthrut Dickel, Tochter des Johannes Dickel aus Girkhausen. Henrich wurde am 18. Dezember 1680 in Raumland, südlich von Berleburg, beerdigt. Gerthrut lebte bis zum 29. April 1703. Mindestens fünf Kinder entstammen dieser Ehe:
- J. Mannus (* 06.Juni 1662
04.Nov.
1726) - J. Jost (* 25. Januar 1664
Sept.
1738) - Georg Henrich (* Januar 1666)
- Gertraud (* Mai 1668
Nach 1741) - J. Gilbert (* 17. August 1671
1731)
Die Riedesels aus Erndtebrück sind Nachkommen des Sohnes Mannus. Er war der große Zimmermeister, über den wir an anderer Stelle berichten werden.
II. Johannes Riedesel
Er war der Sohn aus Henrichs erster Ehe. Er heiratete Elisabeth Womelsdorf, Tochter des Johannes Womelsdorf. Aufzeichnungen belegen, daß die Hochzeit am 18. Februar 1664 stattfand. Andere Aufzeichnungen weisen jedoch darauf hin, daß sie 1652 oder 1653 geboren wurde und am 12. Dezember 1747 starb. Meine Informationen könnten in der einen oder anderen Richtung falsch sein. Sie lebten in Girkhausen in dem kleinen Haus, das als "Pfaffe" bezeichnet wird. Seine Geburts- und Sterbedaten sind unbekannt. Wir wissen von drei Kindern:
- Bastian (keine Daten)
- Georg Heinrich (keine Daten)
-
Georg Mannus ( * um 1664,
17.10.1741) -
Johann Reinhard ( * 1674,
15.01.1754) -
Wilhelm ( * 1677,
09.02.1748)
III. Wilhelm Riedesel
Er wurde im Herbst 1677 in Girkhausen geboren, das nur wenige Kilometer von Wunderthausen entfernt liegt und Standort der Kirche und des Pastors war, der für Wunderthausen und Diedenshausen zuständig war. Am 09. Februar 1703 heiratete er Anna Spies aus Gundermannshaus in Wunderthausen. Er war der erste Riedesel in Wunderthausen und damit Vorfahre von allen, die ihm dort nachfolgten. Anna Spies war die Tochter von Johann Georg Spies und wurde am 24. Oktober 1679 geboren; sie ist kurz vor 1740 gestorben. Er starb am 09. Februar 1748. Gundermanns war eines der größten und daher steuerlich am schwersten belasteten Häuser im Dorf. Es scheint so, daß der relativ arme Junge aus Girkhausen sich gut verheiratet hat. Sie hatten acht Kinder:
-
J. Georg ( * 15.04.1704,
15.05.1760) -
Liese Gertraudt ( * 30.12.1706,
vor 1740) -
Johannes ( * 22.04.1709,
01.12.1755) -
J. Ludwig ( * 06.02.1712,
11.03.1771) -
J. Gabriel ( * 04.01.1715,
13.12.1781) -
Samuel ( * 23.06.1718,
vor 1740) -
Elisabeth Gertraudt ( * 14.05.1720,
16.11.1764) -
Anna Margarethe ( * 16.05.1725,
08.08.1771)
Fast alle amerikanischen Riedesels mit Wunderthäuser Abstammung sind Nachkommen des J. Gabriel und seiner beiden Frauen.
II. Mannus Riedesel
Er entstammt der am 06. Juni 1662 geschlossenen Ehe zwischen Henrich Riedesel und Gerthrut Dickel. Über keinen anderen Riedesel der frühen Periode ist mehr bekannt als über ihn und sein Vermächtnis. Mannus Riedesel (verschiedentlich auch Hermann und Mannes) war ein Zimmermeister, der sogar heute noch wegen seiner soliden und reichlich verzierten Fachwerkhäuser, die er hinterlassen hat, verehrt wird.
Im Alter von 18 Jahren wurde er Hausherr in Herjes Haus in Balde/Melbach (natürlich nicht der wahre Besitzer des Hauses). Dies schloß Grund und Boden mit ein, aber er ging auch arbeiten und erlernte das Handwerk eines Zimmermannes. Am 04. November 1687 heiratete er Anna Ursula (Spies?), die jedoch nur bis zum 04. Mai 1693 lebte. Sie hatten zwei Kinder:
-
Anna Gertraud ( * 01.08.1688,
? ) -
Augustinus ( * 04.11.1691,
?.12.1713)
Mannus heiratete in zweiter Ehe am 09. November 1693 Anna Katherine Grund. Er starb am 04. November 1726 und sie ein paar Jahre später am 26. Januar 1729. Obwohl er einer der am meisten geachteten Handwerker seiner Generation war, hinterließ er seinen Nachkommen kaum mehr als seine Werkzeuge und seinen guten Namen. Wir wissen von drei Kindern aus seiner zweiten Ehe:
-
Anna Elisabeth ( * 17.12.1694,
? ) -
Johannes ( * 23.04.1697,
12.12.1758) -
J. Gilbert ( * ?.03.1704,
?.04.1704)
III. Johannes Riedesel
Geboren am 23. April 1697 war er der einzige Sohn des großen Zimmermannes, der die Kindheit überlebte. Er übernahm das Elternhaus in Melbach/Balde. Er heiratete Anna Catharina Schupner am 25. August 1719. Sie war am 30. September 1694 geboren worden und starb am 20. Juli 1769. Johannes lebte bis zum 12. Dezember 1758. Kinder, die bekannt sind, waren:
-
J. Henrich (* 08.12.1720,
01.08.1773) -
Anna Catharina (* 14.03.1723,
? ) -
Anna Elisabeth (* 09.03.1726,
? ) -
J. Georg (* 21.06.1728,
19.02.1808) -
Anna Maria (* 17.10.1730,
? ) -
Johannes (* 11.04.1733,
28.05.1733) -
Loysa (* 17.08.1734,
? )
Die Riedesels, die von Erndtebrück nach Amerika kamen, sind Nachkommen des ältesten Sohnes, J. Henrich. Das Herjes Haus ging über an die älteste Tochter von J. Henrich, die einen Dickel heiratete. Ich weiß nicht, seit wann die anderen Nachkommen in oder in der Nähe von Erndtebrück leben.
6. Mannus Riedesel
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7. Quellenhinweise
Nachforschungen dieser Art basieren hauptsächlich auf privaten Dokumenten oder Veröffentlichungen nicht eindeutiger Herkunft. Ich empfehle die nachfolgende Bibliothek weniger als einen Führer für andere Forscher, sondern sehe sie an als ein Mittel um Ehre zu bezeugen gegenüber denjenigen, die es verdient haben.
Zwei deutschen Kollegen (und entfernten Verwandten) gegenüber stehe ich in enormer Schuld für ihre Freundschaft, ihren persönlichen und professionellen Großmut und ihre Hilfe - Wolfgang Sonneborn aus Wuppertal und Karl-Ernst Riedesel aus Bad Berleburg. Ich hätte nicht anfangen können, diese kleine Geschichte zusammenzustellen, ohne die Unterlagen, die sie zur Verfügung gestellt haben.
Birkelbach, Wolfgang. "Die Familiengeschichte des Wittgensteiner Zimmermannes Mannus Riedesel, oder Die Riedesel in Herjes - Haus in der Melbach." Wittgenstein, Bd. 44, H. 4, Dezember 1980, S. 114 - 123. Fortgesetzt in Bd. 53, H. 1, März 1981, S. 18 - 25.
Hippental, Gerhard und Wied, Werner (Hrsg.). Wittgenstein III, Ein Lesebuch zur Volkskunde und Mundart des Wittgensteiner Landes. Verlagsgemeinschaft Wittgensteiner Buchhändler. Laasphe 1984
von Hofmann, Albert. Das Deutsche Land und die Deutsche Geschichte. Deutsche Verlag. Stuttgart 1923.
Hobbs, Emma Wetter. History and Genealogy of the Wetter - Miller - Schneider - Riedesel Families in Europe and America. Privat veröffentlicht. Ogallala, Nebraska, 1947.
Jakobi, Winfried und Wied, Werner (Hrsg.). Bilder aus Wittgenstein. Wittgensteiner Heimatverein. Bad Berleburg, 1986.
Knoche, Wilhelm. Familien Chronik. Privat veröffentlicht. Berleburg 1916 - 1920.
Kramer, Fritz (Hrsg.). Wunderthausen/Diedenshausen - ein Dorfbuch. Gebrüder Zimmermann. Balve. 1978.
Lauber, Georg (Hrsg.). Geburts- und Sterberegister von Wunderthausen
Lauber, Georg (Hrsg.). Geschichte und Bewohner der Häuser Wunderthausens.
Naumann, Joachim. "Die Schulkapelle in Sassenhausen und Zimmermeister Mannes Riedesel." Wittgenstein, Bd. 44, H. 4, Dezember 1972, S. 206 - 211.
Presbyterium Wunderthausen (Hrsg.). Evangelisch - reformierte Kirchengemeinde Wunderthausen - Diedenshausen 1891 - 1991. Privat veröffentlicht. Raumland 1991.
Richter, Helmut. "Der Dambach." Wittgenstein, Bd. 36, H. 4, Dezember 1972, S. 206 - 211.
Riedesel, Karl-Ernst. "Causes for Emigration from German Counties of Wittgenstein." Tulpehocken Settlement Historical Society, Volume 18, Number 1, November 1986. Pp. 56 - 60.
Riedesel, Paul. The Riedesels in Amerika. Privat veröffentlicht. Minneapolis, 1980.
Sante, Georg Wilhelm. Handbuch der historischen Stätten, Kroner Verlag. Stuttgart 1960.
Schöner, H. G. Studien zur Deutschen Kunstgeschichte: Die ältere Ornamentik in Ysenburger, Schlitzer und Riedeselschen Wappen. Heitz & Mundel. Strassburg 1914.
Wasilewski, Werner (Hrsg.). Kulturhistorisches Bad Berleburg. Verlag Martin Kuhn. Bad Berleburg, 1981.
Wied, Werner. "Die Geschichte des Dorfes Sassenhausen und seiner Kapelle." Wittgenstein. Bd 52, H. 1, März 1988. S. 147 - 159. Fortgesetzt in Bd 52, H. 2, Juni 1988, S. 147 - 159.
Wied, Werner. "Beiträge zur Geschichte der Alt - Bauernhöfe in Balde, Melbach und Rohrbach." Erndtebrück - ein Heimatbuch des oberen Edertales, Band I. Erndtebrück 1977.
Wied, Werner. "Noch einmal: Sassenhausen und seine Riedesel - Kapelle." Wittgenstein. Bd 53, H. 1, März 1989. S. 15 - 16.
Wied, Werner. "Berleburg, Parkstrasse 5 - das Logausche Haus: Ein Stück Haus und Familiengeschichte." Wittgenstein. Bd 53, H. 2, Juni 1989. S. 42 - 50.
Wrede, Gunther. Territorialgeschichte der Grafschaft Wittgenstein. N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung. Marburg, 1927.